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2010-09-20: MOBILE TIMES Weekly 0364
Ist Handy etwas für Arme? - ARM-Prozessoren bei Intel
    Zwei überraschende Untersuchungen können wir diesmal in MOBILE TIMES Weekly präsentieren: Die dänische Secunia hat festgestellt, dass bei der Gesamtzahl der Schwachstellen - unabhängig von ihrer potentiellen Gefährlichkeit - Apple inzwischen führt. Man hat damit den bisherigen Spitzenreiter Oracle (eigentlich Sun Microsystems, aber die sind ja jetzt Oracle) verdrängt. Microsoft bleibt stabiler Dritter. Die zweite Untersuchung stammt vom deutschen Institut für angewandte Sozialwissenschaft infas und besagt nicht mehr und nicht weniger, als dass Leute, die nur ein Handy kein Festnetz haben, eher zum ärmeren Teil der Bevölkerung gehören. Wenn Sie also demnächst jemanden mit dem Handy im Internet surfen sehen, bedauern Sie ihn - es könnte sein, dass er aus finanziellen Gründen gar nicht anders kann.
    Im US-Kongress haben die Repräsentanten Rick Boucher (Demokarten) und Lamar Smith (Republikaner) gemeinsam den «Digital Goods and Services Tax Fairness Act of 2010» eingebracht. Dabei geht es darum, dass Konsumenten nicht durch mehrfache - auch lokale - und diskriminierende Besteuerung beim Download aus dem Internet getroffen werden. Man will ein landesweit einheitliches System. Kein Wunder, dass Netzbetreiber diesen Vorstoss begrüssen.
    Intel hat den Mobilfunkbereich von Infineon (ehemals Siemens) gekauft. Intel hatte in diesem Bereich schon länger eine Partnerschaft mit Infineon und übernimmt nun rund 3.400 Mitarbeiter, das Geschäft mit Mobilfunkmodems und die Forschungsergebnisse für künftige Produkte einschliesslich 4G/LTE. Kurz davor hat Intel auch das Kabelmodemgeschäft von Texas Instruments und die komplette Sicherheitsfirma McAfee aufgekauft. Was den Infineon-Kauf so spannend macht, ist die Tatsache, dass Infineon in diesem Bereich den ARM-Kern nutzt - um den sich Intel schon lange ziemlich erfolglos bemüht. Der Intel-Versuch eigene Prozessoren auf ARM-Basis zu entwickeln, endete ja 2006 mit dem Verkauf der PXA-Prozessorenlinie an Marvell.
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2010-09-07: MOBILE TIMES Weekly 0363
Android überholt Apple - Neue BlackBerry App World 2.0 - Ende für Schockrechungen
Die neuesten Marktzahlen zeigen, dass Android zu einem ernsthaften Mitspieler im Markt der Betriebssysteme für Smartphones geworden ist. Weltweit hat Android Apple vom Platz 3 verdrängt. Davor liegen nur mehr Symbian und BlackBerry. Windows Mobile ist auf Platz 4 abgerutscht. In den USA, wo Symbian nach wie vor keine Rolle spielt - das war schon zu Zeiten als das Betriebssystem EPOC hiess und von Psion kam so - liegt Android sogar bereits auf Platz 1 vor BlackBerry und Apple. Vor diesem Hintergrund ist nun ziemlich klar, warum Microsoft das eigene Handymodell wieder einstellt. Die Gründe warum Google das eigene Android-Smartphone wieder sterben lässt, sind etwas komplexer und haben auch etwas mit der Marktmacht der Netzbetreiber zu tun.
    Research in Motion eröffnet parallel zur Vorstellung von BleckBerry 6 die BlackBerry App World 2.0, die u. a. neue Bezahloptionen, verbesserte Suchfunktionen und ein neues Nutzer-Identifikations-System einführt.
    Die Deutsche Telekom startete mit den Stadtwerken Emden in 100 Haushalten ein Pilotprojekt mit intelligenten Strom- und Gaszählern. Anders als bisherige Projekte in Skandinavien benutzt man in Emden das Festnetz zur Datenübertragung. Die Telekom wies aber darauf hin, dass auch eine mobile Übertragung möglich ist.
    Schockrechnungen beim Daten-Roaming sollten der Vergangenheit angehören. Seit 1. Juli gilt EU-weit automatisch eine gesetzliche Kostenobergrenze von 50 Euro plus Mehrwertsteuer. Kunden können sich allerdings für andere Obergrenzen entscheiden, was den Netzbetreibern gewisse Spielräume geben könnte. Betreiber sind verpflichtet, dem Nutzer eine Warnung zu schicken, sobald er 80 Prozent seiner Kostenobergrenze für das Datenroaming erreicht hat. Wenn die Obergrenze erreicht ist, muss der Betreiber die Mobilfunk-Internetverbindung unterbrechen, sofern der Kunde nicht ausdrücklich erklärt, dass er die Nutzung fortsetzen möchte.
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2010-08-02: MOBILE TIMES Weekly 0362
BlackBerry Developer Challenge
Der BlackBerry Partner Fonds hat die dritte BlackBerry Partners Fund Developer Challenge gestartet. Entwickler sind dazu aufgerufen, Applikationen vorzustellen, die die Vorteile der «BlackBerry Application Platform» nutzen. Schwerpunkt sollen so genannte «Super Apps» sein. «Super Apps» sind personalisiert und in Funktionen wie Smartphone-Inbox, Kalender, Adressbuch und anderen nativen BlackBerry Applikationen eingebunden. Erstmals werden auch regionale Applikationen für BlackBerry Smartphones in vier globalen Regionen bewertet. Der Wettbewerb läuft bis zum 6. September 2010. Bis zu vier regionale Gewinner können ein Preispaket im Wert von 85.000 US-Dollar gewinnen.
    Während nun die ersten Apple-Fans ihre iPhones 4 endlich abholen durften, nehmen die Probleme - echte und eingebildete - kein Ende. Das stört aber die Fans überhaupt nicht, auch wenn, wie z. B. in der Schweiz, Konsumentenschützer einen Verkaufsstopp fordern.
    Microsoft hat inzwischen das erst vor zwei Monaten begonnene Smartphone-Abenteuer bereits wieder beendet. Das KIN wird Europa nie erreichen. Nokia verliert derweilen in Europa Marktanteile und steht knapp davor, von Samsung überholt zu werden. Die Situation erinnert ein wenig an 2006/2007. Damals stand Nokia angeblich kurz davor, von Motorola weltweit überholt zu werden...
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2010-07-05: MOBILE TIMES Weekly 0361
Von iPhone und Elektronikschrott
Der dänische Consulter John Strand meint nach wie vor, dass erfolgreiche Netzbetreiber eher weniger auf das iPhone setzen oder noch schlimmer: Es könnte sein, dass die Anbieter, die auf das iPhone setzen, dadurch wirtschaftlich in Nachteil geraten. In der Schweiz haben Orange und Sunrise das iPhone angekündigt, die Marktführerin Swisscom aber nicht. Neben dem iPhone ist ein anderes Lieblingskind der Massenberichterstattung ins Kreuzfeuer der Kritik geraten: Facebook und andere «Social Networks» gefährden die Datensicherheit von Unternehmen deutlich stärker als mobile Pornos, die bisher als der Hort des Bösen angesehen wurden.
    Elektronikschrott wird mehr und mehr zum Problem, auch wenn uns die Werbung anderes suggeriert. Im dritten Programm der britischen BBC lief kürzlich eine Dokumentation, die zeigte, dass selbst Elektronikschrott aus dem öffentlichen Bereich illegal seinen Weg in Entwicklungsländer findet. Konkret wurde der Weg von Elektronikschrott nach Ghana verfolgt, wo dann Kinder das teils giftige Material nach Verwertbarem durchsuchen. Dabei wäre ein solcher Export nach EU-Regeln (WEEE Directive 2007, wobei WEEE für Waste Electronic & Electrical Equipment steht) schon seit 2007 ausdrücklich verboten. Strenge Regeln und Gesetze nützen halt nirgends etwas, wenn sie nicht kontrolliert werden. Derartige Exporte sind zudem kurzsichtig. Nach einer jüngeren deutschen Studie wird den Europäern in vielen Bereichen der Nachschub an bestimmten seltenen Rohstoffen ausgehen, weil bisherige Lieferländer wie etwa China, diese Rohstoffe selber benötigen. Der einzige Weg diese Rohstoffe zu gewinnen wäre dann ein gut organisiertes Recycling. Müllhalden aus Afrika nach Europa zum Recycling zu transportieren dürfte dann zumindest teuer werden.
    Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) vergibt im Rahmen des European Satellite Navigation Competition 2010 (http://www.galileo-masters.eu/) einen Innovationspreis für die beste Geschäftsidee zur Nutzung Globalen Satellitennavigationssystemen (GNSS). Gesucht werden Ideen, die mit der technischen und finanziellen Unterstützung eines ESA Business Incubation Centres, zeitnah umgesetzt und schnell zu einem profitablen Geschäft werden können. Zudem wird für die Gewinneridee ein Preisgeld von 10.000 Euro vergeben. Der Gewinner des ESA Innovationspreises 2008, Arnaud Masson von Insiteo, produziert gerade die ersten zehn Pseudoliten für seine Positionsbestimmungslösung im Inneren von Gebäuden, nachdem er sich erste Venture Capital-Finanzierungen sichern konnte. Tim Springer von PosiTim, der 2009 einen Preis für seine hoch präzisen GNSS Lösungen bekam, wurde kürzlich im ESA Business Incubation Centre Darmstadt angenommen. Zudem zogen letzten Monat zwei weitere Gewinner aus dem Jahr 2009 in die Räumlichkeiten des ESA Business Incubation Centre Oberpfaffenhofen: Nogago, ein deutsches Start-Up, das Navigationssoftware für Freizeitanwendungen auf Smartphones entwickelt; und Atmosphere, ein französisches Unternehmen, das an einem Flugzeug-gestützten Netzwerk arbeitet, das den Austausch von atmosphärischen Daten in Echtzeit unterstützt.
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2010-06-20: MOBILE TIMES Weekly 0360
Von Datendieben und Patentanwälten
    Rund 5,5 Millionen Schülerinnen und Schüler nehmen an SchülerVZ teil. Von denen sollen an die 1,6 Millionen Datensätze abgegriffen worden sein. Dabei gab es aber keine Datenpanne oder einen klassischen Datendiebstahl, sondern es geht ganz simpel um das massenhafte Abgreifen von öffentlich zugänglichen Daten, die von den Kindern und Jugendlichen selbst ins Netz gestellt wurden. Diese Daten konnten dann vom «Abgreifer» zu Profilen verknüpft werden. Schlimmer war dann die Panne bei Facebook. Während nämlich bei SchülerVZ nur jene Daten den Dieben zum Opfer fielen, die von den Teilnehmern selbst frei gegeben waren, konnte man bei Facebook Anfang Mai die privaten Chats seiner Kontakte mitlesen. Mittlerweile ist das Problem behoben. Schon Ende März kam es bei Facebook zu einer Datenpanne als die E-Mail-Adressen von einigen Millionen Mitgliedern angezeigt wurden.
    Nachdem jetzt Apple - zumindest was den Aktienkurs betrifft - wertvoller ist als Microsoft, wurde die Jagdsaison eröffnet. Nokia klagte Apple in Wisconsin wegen Verletzung von Nokia Patenten durch das iPhone und das iPad. Laut Nokia geht es um fünf wichtige Nokia-Patente. Elan, ein Unternehmen, das schon einen Patenrechtsstreit gegen Synaptics gewonnen hat, beschuldigt Apple wissentlich und absichtlich Patente zu verletzen und klagte in Kalifornien. Hier ist pikant, dass es um zwei Multitouch-Patente geht. Auch die US-Behörden sollen sich inzwischen für Apple interessieren. Dabei geht es um Beschwerden von Entwicklern, denen Apple verboten hat, anderen als die Apple-eigenen Entwicklungswerkzeuge zu nutzen. Google zieht inzwischen Vorteile aus dem Apple-Erfolg. Der Kauf des mobilen Werbeunternehmens AdMob wurde von der Federal Trade Commission mit der Begründung erlaubt, dass Apple bereits ein eigenes Werbenetz lanciert hat. Daher werde der Google-Kauf erlaubt, weil es unwahrscheinlich sei, dass das den Wettbewerb gefährde.
    Neben der Fussballweltmeisterschaft verblassen die Mobilfunkthemen in der öffentlichen Wahrnehmung. Dabei spielen sich gerade jetzt einige spannende Entscheidungen ab. So wird sich für viele Netzbetreiber vorerst die Frage stellen, ob man wirklich in LTE investieren muss, wenn HSPA+ mittelfristig 168 Mbit/s verspricht? Verlierer dieser Diskussion könnte WIMAX sein. Mit dem Kauf von Palm durch Hewlett Packard könnte es für viele Marken-Freaks eine Alternative zu Apple und deren iPhone geben. Aber auch weitere mobile Betriebssysteme stehen inzwischen schon mehr als in den Startlöchern, um Apple das Leben schwer zu machen.
    Google wird von so manchem Mobilfunkbetreiber als Bedrohung empfunden. Während die einen mit Begeisterung Android-Handys in ihr Portfolio aufnehmen, verlangen die anderen, dass die Europäische Union ein Machtwort spricht und Google dazu zwingt, an die Mobilfunker für die Datenübertragung zu zahlen. Für den Konsumenten vielleicht im ersten Moment keine schlechte Idee: Statt dass man selbst an den Netzbetreiber für die übertragenen Daten von Google zahlt, zahlt Google an den Netzbetreiber dafür. Die Antwort, die Google in so einem Fall geben würde, ist ziemlich klar: Mehr Werbung, mehr verkaufte Plazierungen und damit weniger Relevanz der Suchergebnisse. Am Ende sind dann alle die Dummen.
    Eine vernünftigere Methode wird wohl sein, für Mobilfunkkunden die unlimitierten Datenflatrates wieder abzuschaffen - so wie es AT&T schon tut. Für «Normalbürger» sind auch heute 5 GB im Moment mehr als ausreichend und die Netzbetreiber haben damit das Problem jener 20 Prozent Kunden, die 80 Prozent der Datenleistung verbrauchen ohne mehr zu bezahlen auch los.
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2010-05-25: MOBILE TIMES Weekly 0359
Friede in Russland und Apple: Hit oder Hype?
    In Russland hat der langjährige Streit zwischen der Alfa Group und Telenor nun ein Ende gefunden. Aus der alten VimpelCom mit ihren Tochterfirmen und der ukrainischen Kiyvstar wurde die neue VimpelCom Ltd. Vom neuen Unternehmen besitzt Telenor 36,9 Prozent, allerdings nur 36 % der Stimmrechte. Altimo dagegen besitzt 39,2 % des Unternehmens, aber 44,7 Prozent der Stimmrechte. Kleinaktionäre haben 21,2 % Anteil am Unternehmen und 19,3 % an den Stimmrechten.
    Apple hat die vierte Version des iPhone-Betriebssystems vorgestellt und ist ganz stolz, dass das iPhone dann - so wie andere Smartphones seit Jahren - Multitasking beherrscht, also mehr als ein Programm gleichzeitig geöffnet haben kann. Heftige Kontroversen löste die Ankündigung aus, dass man in Hinkunft keine Anwendungen mehr erlauben wird, die zusätzliche Dienstprogramme zur Anbindung an die APIs erfordern. Am augenfälligsten ist das bei Flash. Apple untersagt also künftig die Entwicklung von Applikationen, die Flash nutzen. Aber die Netzbetreiber werden sich wohl weiterhin «wie die Geier» auf Apple-Produkte stürzen, auch wenn diese inzwischen nur mehr mit der vorerst nur hier zum Einsatz kommenden micro-SIM ausgerüstet werden müssen. Schon im Oktober 2009 hatte die dänische Consultingfirma Strand Consult festgestellt (siehe auch MTW 0350), dass das Apple iPhone sehr wenig zur Erhöhung der Gewinne der Netzbetreiber beiträgt, auch wenn es bei den Konsumenten ein Hit ist. Tatsächlich ist es aber bei den Konsumenten nur begrenzt ein Hit: Unter den TOP 5 Handyherstellern ist Apple bis heute nicht zu finden, während Research in Motion mit dem BlackBerry im ersten Quartal 2010 diesen Sprung geschafft hat und dabei Sony Ericsson und Motorola überholte. Dagegen ist Apple in der von den Netzbetreibern bezahlten Werbung sehr viel stärker vertreten, als dem Marktanteil entspricht. Aber vielleicht schaffen es die Netzbetreiber auf eigene Kosten aus Apple einen Marktführer zu machen und sind dann noch dankbar dafür, dass sie für die iPhones mehr zahlen müssen als für andere Handys?
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2010-04-09: MOBILE TIMES Weekly 0358
Symbian weiter erfolgreichstes mobiles Betriebssystem
    Wie das chinesische Sicherheitsunternehmen NetQin mitteilt, sind Millionen Mobiltelefone in China vom Handy-Virus «MMS Bomber» befallen. Das Virus befällt Mobilfunkgeräte mit S60.3, die meist von Nokia und Samsung stammen. Das Virus ist als Anwendung getarnt und baut nach der Installation automatisch Verbindung zum Internet auf. Dem Nutzer entstehen hierdurch finanzielle Verluste. Das Virus verfügt über eigene Abwehrmechanismen: Sobald ein Gerät infiziert ist, setzt es das Systemverwaltungsprogramm auf dem Handy ausser Kraft. So sind Mobilfunknutzer nicht in der Lage, das Virus zu deinstallieren.
    Symbian, auf das S60.3 aufsetzt, ist auch nach jüngsten Statistiken mit weltweit rund 47 Prozent Marktanteil das bei Smartphones am häufigsten eingesetzte Betriebssystem. Dahinter folgen mit einem gehörigen Respektabstand BlackBerry (ca. 20 %), iPhone (ca. 14 %) und Windows Mobile (ca. 9 %). Linux (ca. 5 %) und Android (ca. 4 %) kommen noch weiter hinten.
    LTE mit 100 Mbit/s dürfte inzwischen von den wichtigsten Anbietern zur Serienreife gebracht worden sein. Was meist übersehen wird, ist, dass LTE ein reines Paketdatensystem ist, daher nicht direkt für Sprache ausgelegt ist. Die Netzbetreiber aber wollen endlich ein einheitliches Mobilfunknetz haben. Daher werden nun verschiedene Versuche unternommen VoIP via LTE zu übertragen. Das Problem dabei ist, dass man sich bis heute nicht wirklich auf ein einheitliches System zur Übertragung von Sprache über Datennetze geeinigt hat. Dazu kommt, dass der eine oder andere Netzbetreiber seinen Kunden ein «besseres» System als der Mitbewerb anbieten will und damit ausländische Besucher vielleicht vor ein Problem stellt, weil ihre Handys ein anderes VoIP verwenden. Daher hat die NGMN (Next Generation Mobile Network) Alliance einen Vertragsentwurf für das künftige Sprachroaming für «Voice over LTE» fertig gestellt. Mal sehen, ob sich alle daran halten.
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2010-03-25: MOBILE TIMES Weekly 0357
Ende der Konsolidierung - Mehr Handyhersteller
    Die grossen Veranstaltungen der Branche sind vorbei. Der Mobile World Congress 2010 in Barcelona ist ebenso Geschichte wie die CeBIT 2010 in Hannover und die CTIA Wireless 2010. Interessant war, dass plötzlich wieder neue Mitspieler am Handymarkt auftauchen. Eine Zeit lang schien es ja so, als ob eine Konsolidierung zu einigen wenigen grossen Anbietern und vielen Nischenspielern führen würde. Aber der Eintritt der Navigationsgerätehersteller in den Markt belebt ihn ebenso wie der Aufstieg chinesischer Anbieter oder auch Systemangebote, bei denen das Handy bzw. Smartphone nur ein Bestandteil der Gesamtofferte ist.
    Die interessanteste aktuelle Nische dürften Seniorenhandys sein. Während sich der österreichische Anbieter Emporia in Europa einen Namen gemacht hat, tat der schwedische Anbieter Doro in Nordamerika mehr oder weniger das gleiche. Das wieder lässt z. B. Sagem Wireless nicht ruhen. Dort hatte man sogar eine neue Idee zum Thema: Der ältere Nutzer beschriftet entsprechend vorbereitete Karten und kann die dort festgehaltenen Nummern durch simples Wedeln mit seinem NFC-Handy wählen.
    In China bleibt auch das Mobile Internet nicht von der Zensur verschont. Wie die britische BWCS berichtet, hat es bei der letzten «Internetreinigung» in China nicht weniger als 140.000 mobile WAP-Sites erwischt, die nach Meinung der Regierung Pornographie verbreiten. Google hat inzwischen die Konsequenzen gezogen und ist aus China in die Sonderverwaltungszone Hongkong übersiedelt, wo die Gesetze nicht so streng sind.
    In Deutschland bemüht sich die Telekom die ethischen Standards im Telefongeschäft zu erhöhen und hat eine Ethikdiskussion mit Callcenter-Partnern begonnen. In die Berliner Hauptstadtrepräsentanz des Konzerns waren rund 200 Vertreter der grössten Callcenter-Betreiber in Deutschland gekommen. Allein die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten, reicht der Deutschen Telekom nicht aus. Sie hat daher sämtliche Partner im Telemarketing-Geschäft dazu verpflichtet, sich vom TÜV Rheinland zertifizieren zu lassen. Mit Partnern, die die Anforderungen in Bezug auf Datenschutz und kundenfreundliches Telefonverhalten nicht erfüllen, arbeitet der Konzern nicht mehr zusammen. Die Deutsche Telekom testet derzeit zudem, Mitarbeitern von Partner-Callcentern parallel zu ihrer Arbeit Zusatzqualifizierungen anzubieten, die bis zu einem Studium führen können.
    In Liechtenstein hat die Regierung Mitte März den Frequenzzuweisungsplan mit den technischen Anforderungen an die Funkschnittstellen in der Version 2010 genehmigt, der am 1. April 2010 in Kraft tritt und den Frequenzzuweisungsplan und die Funkschnittstellen vom 1. Januar 2009 ersetzt.
    In Österreich werden Telekom Austria und mobilkom Austria zur neuen A1 Telekom Austria.
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2010-02-16: MOBILE TIMES Weekly 0356
Neue Mobilfunker in Deutschland
    Bis zum 21. 1. haben sich bei der Deutschen Bundesnetzagentur sechs Unternehmen um Mobilfunkfrequenzen beworben, die in den Bereichen 800 MHz, 1,8 GHz, 2 GHz und 2,6 GHz zur Versteigerung kommen. Vor der Versteigerung werden die Anträge noch geprüft. Welche sechs Unternehmen sich beworben haben, hat die Bundesnetzagentur bisher nicht gesagt.
    In China muss indes Google der Realität ins Auge sehen, dass mit den chinesischen Behörden nicht so gut Kirschen essen ist, wie man das beim Champion der Suchmaschinen gedacht hat. Inzwischen geht es nämlich nicht mehr nur um die Suchmaschine, sondern auch um das Betriebssystem Android. Zwei Modelle mit Android (von Motorola und Samsung), die China Unicom präsentieren wollte, wurden kurzfristig zurückgezogen. Nicht weil die Chinesen das wollten, sondern weil Google verlangte, dass auf diesen Handys alles, was mit Google zu tun hat, zu entfernen sind. Die Unterstützer von Android, die China beliefern, stehen daher jetzt vor dem Problem, mit welcher Plattform sie den gerade erst erblühenden chinesischen Smartphone-Markt attackieren sollen.
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2010-02-07: MOBILE TIMES Weekly 0355
Gebührensenkung bringt Verteuerung
    Wer geglaubt hat, dass die Roaming-Gebührenbegrenzung durch die Europäische Kommission in den Jahren 2007 bis 2010 nur Gutes gebracht hat, der irrt leider, wie die britische Tariff Consultancy Ltd. (TCL) jetzt festgestellt hat. Zwar seien seit 2007 die Sprach- und SMS-Roaming-Gebühren in Europa um 50 % gesunken, doch der durchschnittliche Verkaufspreis für Mobildaten-Roaming beträgt das Fünffache des Einkaufspreises. Bei der Senkung der Sprach- und SMS-Roaming-Gebühren in Europa stellte man zwar eine Halbierung fest, doch ist der Preis nur selten unter die festgelegte Preisgrenze gefallen. Derzeit - die Untersuchung wurde am 21. 1. 2010 veröffentlicht - liegen die Roaming-Gebühren für die Datenübertragung in der EU im Durchschnitt bei 5,4 Euro und somit beim Fünffachen des Einkaufspreises von 1 Euro pro MB. Dabei liegen die Roaming-Gebühren einzelner Betreiber unter dem Grenzpreis, bei anderen betragen sie aber bis zum 10-fachen.
    90 % der Mobilnetzbetreiber in Europa richten laut TCL ihre Roaming-Gebühren für Gespräche in der EU am Preislimit aus, so dass dieses sich als De-facto-Richtpreis etablieren konnte.
    Eine weitere der Folge der Einführung der Roaming-Gebührenbegrenzung in der EU ist die Änderung der Roaming-Gebühren für andere Regionen ausserhalb der europäischen Union. Laut TCL suchen die Betreiber ihre Umsatzverluste aufgrund der Roaming-Gebührenbegrenzung innerhalb der EU durch entsprechende Roaming-Tarife ausserhalb der EU auszugleichen. Einige Betreiber haben auch die geographischen Zonen geändert, was insbesondere für Reisende in Länder wie z.B. Norwegen, die Schweiz, die USA und im asiatisch-pazifischen Raum, die zuvor zur EU-Zone zählten, zu höheren Gebühren geführt hat.
    TCL entdeckte auch, dass Mobilnetzbetreiber in zunehmendem Masse versuchen durch so genannte «Opt-in»-Roaming-Pakete die Roaming-Gebührenbegrenzung der EU zu umgehen und gegen eine Wochen- oder Monatsgebühr Roaming-Rabatte für ausgewählte Urlaubsziele bieten, dafür aber eventuell über dem Grenzpreis der EU liegende Gebühren für Länder der EU-Zone einzuführen.
    Am stärksten werden wohl die Nutzer durch die durchschnittliche Erhöhung der Gebühr um 200 (!) Prozent für ein Telefongespräch per Roaming aus der EU-Zone in die geographisch nächstgelegene Tarifzone getroffen. Mit SMS kann man da nur geringfügig sparen, denn die haben sich für den gleichen Bereich um durchschnittlich 160 Prozent verteuert. Am schlimmsten ist es beim Lieblingskind der Mobilfunker: Die Übertragung von Daten aus dem EU-Raum in die geographisch nächstgelegene Tarifzone hat sich im Durchschnitt um 270% verteuert.
    Noch mehr Informationen findet man bei http://www.telecomspricing.com/
    Bei solchen Preisen wundert es nicht, dass die Investitionen in Datenübertragung Vorrang haben: Bei LTE hat man im praktischen Versuch 100 Mbit/s erreicht, HSPA erreicht inzwischen bis zu 42 Mbit/s und selbst das inzwischen geradezu biedere EDGE wurde auf ein Mbit/s gebracht.
    Smartphone-Trends: Wenn man sich die jüngsten Neuheiten am Smartphone-Markt ansieht, könnte man meinen, dass es keine eindeutigen Trends gibt. Die letzten zwei Wochen brachten uns ja nur wenig Neuheiten und bei den Smartphones war das ein übergrosses iPhone mit der Bezeichnung iPad, ein Android-Handy, das ein Meilenstein genannt wird und von Nokia des X6, das erstmals Symbian^1 als Betriebssystem und Benutzerschnittstelle angibt.
    Schnellere Daten: Wenngleich noch immer eine ganz überwiegende Mehrheit der Handynutzer weder an mobiler E-Mail noch am mobilen Surfen interessiert sind, sondern eher an besserer Sprachqualität und stabilen Verbindungen, gilt das Hauptaugenmerk der Industrie der schnellen Datenübertragung. Bei LTE hat man im praktischen Versuch 100 Mbit/s erreicht, HSPA erreicht inzwischen bis zu 42 Mbit/s und selbst das inzwischen geradezu biedere EDGE wurde auf ein Mbit/s gebracht. In der Schweiz ist EDGE bei Swisscom und Sunrise seit 2005 im Einsatz.
    Personalwechsel: Das Geschäft geht aber dennoch nicht besonders - oder vielleicht deshalb? - weshalb sich das Personalkarussell munter weiter dreht - auch unter der Berücksichtigung von Pensionierungen zum Jahresende ist die Zahl der Um- und Neubesetzungen, vor allem im Bereich Verkauf und Marketing, deutlich angestiegen.
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